90 Jahre Handball in Birkenau

Ein kurzer Rückblick 1929 – 2019

Im Jahre 2019 blickt unser Verein auf eine 90jährige Handballgeschichte zurück. Grund genug, einige Stationen nochmals zu beleuchten. „Zukunft braucht Tradition“, hat Detlef Kuhlmann seinen Festvortrag zum 100- jährigen Bestehen des Handballsports 2017 überschrieben, eine Aussage, die sich sicherlich auch auf unseren Verein übertragen lässt. Der 29.Oktober 1917 gilt als Geburtsstunde des Handballsports, als erstmals Regeln für die Austragung von Handballspielen festgeschrieben wurden. Interessanter Weise galten diese Regelungen zunächst für Frauenmannschaften. Erst zwei Jahre später wurde Handball auch als Männersport eingeführt.

Beim TV 1886 Birkenau, dem Vorgängervereins unseres heutigen TSV, wurde erstmals im Jahre 1929 das Handballspiel als Sportart ausgeübt und seither bis heute erfolgreich weitergeführt. Betrachtet man die Historie, so gewann der Wettkampfsport in Birkenau insbesondere in den 50iger Jahren zunehmend an Bedeutung. Zuvor war in Deutschland 1949 der Deutsche Handball Bund (DHB) in seiner heutigen Grundstruktur gegründet worden. Er legte die Basis für eine weitere, deutliche Verbreitung des Spiels in Deutschland. Der erste Präsident des DHB war übrigens Willi Daume, der später als Mitglied des IOC wesentlich daran mitgewirkt hat, dass München die Olympischen Spiele 1972 übertragen wurde.

Nach der Gründung des TSV Birkenau 1950 als Nachfolgeverein des TV 1886 wurde das Handballspiel unter Führung des damaligen Vorsitzenden Karl Brehm sowie seinen Mitstreitern Hermann Unrath und später Peter Spilger intensiviert und klar leistungsbezogen ausgerichtet. Mit dem mit Hilfe amerikanischer Pioniere ausgebauten Tannenbuckel stand dazu auch ein entsprechendes Gelände zur Verfügung. Der Tannenbuckel war in der langen Geschichte des Vereins mehrfach erweitert worden und erhielt 1968 seine endgültige Ausgestaltung. Schade nur, dass in der Folgezeit die Attraktivität des bis dahin dominierenden Feldhandballs abnahm. Die Bundesliga konzentriert sich seit 1973 auf den international vertretenen Hallenhandball.  

In den späten 50iger Jahren wuchs der TSV Birkenau aufgrund zahlreicher Erfolge zu einer Spitzenmannschaft im süddeutschen Raum heran. Nach einem badischen Meistertitel 1960 und dem Aufstieg in die Süddeutsche Oberliga, der damals höchsten Spielklasse, waren die Höhepunkte in der Folgezeit sicherlich die beiden Titel eines Süddeutschen Feldhandballmeisters 1964 und 1966. Diese Erfolge berechtigten auch zur Teilnahme an den Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft.  Wie sehr die Arbeit der Verantwortlichen Früchte trug zeigte sich auch dadurch, dass der TSV im Jahre 1966 Gründungsmitglieder der Feldhandball- und der Hallenhandballbundesliga wurde.  Die Heimspiele in der Hallenbundesliga wurden zu dieser Zeit in der TSG Halle in Weinheim durchgeführt.  Kaum vorstellbar bei den heutigen Hallengrößen, wie beispielsweise der SAP Arena. Die Bundesliga war dabei in eine Nord- und Südstaffel unterteilt. Während die Vereine in der Nordstaffel eher im städtischen Umfeld gediehen, waren im Süden auch viele Vereine aus dörflichen Strukturen vertreten. Aus unserer näheren Umgebung seien hier neben unserer Mannschaft beispielsweise Leutershausen oder Hochdorf angeführt.

Bei so vielen Erfolgen blieb es auch nicht aus, dass Birkenauer Spieler in die Nationalmannschaft berufen wurden. Die beiden ersten Berufungen erhielten Wilhelm Jüllich und später Martin Andes. Ihnen sollten noch einige Spieler in der Bundesligazeit folgen. Für eine gute Jugendarbeit stand  in den folgenden Jahrzehnten  auch die Berufung von Frank Jöst, Sebastian Brehm und Simon Spilger in die Jugend- und Juniorennationalmannschaft des DHB.

Auf das Jahr 1968 datiert auch die Gründung der ersten Damenmannschaft des TSV, die 2018 damit ihr 5ojähriges Jubiläum feiern konnte.

Nach den großen Erfolgen im Herrenhandball in den sechziger Jahren trat eine Zeitenwende im Handball ein. Birkenau spielte zwar bis 1973 in der Feldhandball Bundesliga und feierte 1974 den Titel eines Deutschen Feldhandballmeisters, der Abstieg aus der Hallenhandball Bundesliga im Jahre 1969 war aber kaum mehr zu kompensieren. Zwar gelang 1971 nochmals der Titel eines Süddeutschen Hallenmeisters, die Rahmenbedingungen hatten sich aber grundlegend, insbesondere was das finanzielle Umfeld angeht, verändert. Birkenau, bis 1974 ohne eigene Halle, konnte zwar die Regionalliga, die damals zweithöchste Deutsche Spielklasse halten, der ganz große Wurf als Bundesligaverein sollte aber nur noch einmal 1979 gelingen, als der TSV unter Führung von Hermann Sattler und dem Vorsitzenden Ernst H. Brehm letztmals für  ein Jahr in der damals schon eingleisigen 1. Bundesliga vertreten war. Nach mehreren Jahren in der neu gegründeten 2. Bundesliga ( dafür hatte sich der Verein 1980/81 qualifiziert) kam 1985 der Abstieg in die Regionalliga. Um den Verein vor finanziellen Abenteuern zu bewahren wurde in der Folgezeit ein Zurück in die Erst- oder Zweitklassigkeit auf Bundesebene nicht mehr angestrebt.

Für überregionale Furore sorgen in den letzten Jahren die Handballdamen. Aufbauend auf eine fundierte Jugendarbeit blieben in der Zeit ab ca. 2010 die Erfolge sowohl bei der Jugend wie auch auf Seniorenebene nicht aus. Die Zugehörigkeit zur 3. Liga ab 2016 legen dafür ebenso Beweis ab wie Teilnahme der B -Jugend unter den letzten 4 Vereinen um die Deutsche Meisterschaft 2014. Bemerkenswert auch die Qualifikation der A- Jugendspielerinnen für die A-Jugend-Bundesliga in den Jahren 2013 und 2014. Drei Jahrzehnte zuvor hatte mit der männlichen C-Jugend erstmals eine Birkenauer Jugendmannschaft 1983 den Titel eines Deutschen Meisters erreicht.

Soweit ein kleiner -unvollständiger- Rückblick auf 90 Jahre Handballsport beim TSV. Heute arbeiten engagierte Teams der Damen- und der Herrenmannschaft daran, dass auch in der Zukunft die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann. Dazu wünschen wir weiterhin viel Erfolg.

Peter Kadel

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